Mittwoch, 27. Oktober 2010

Zu großer Schuh (Mitschwester sagt Danke) - Teil 1 - wie es mal war!!!

UM HIER KEINE SCHLECHTEN GEDANKEN AUFZUBRINGEN. ICH WILL HIER NIEMANDEN DIE SCHULD ZUWEISEN; SONDERN HIERMIT EINFACH NUR MEINE GEDANKEN UND GEFÜHE NIEDER SCHREIBEN UND ZWAR SO WIE ICH ES FÜR MICH ERLEBT UND GEFÜHLT HABE!

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Ich bin immer noch sprachlos....., aber es war wohl wirklich gut was vorgestern passiert ist. Ja ich war die mit der Traurigkeit in den Zeilen. Heute würde ich faßt sagen Verzweiflung. Ich war die telefonierende Mitschwester und heute frag ich mich wieder was war los?

Danke das Du das für mich getan hast. Deine Zeilen sind wunderbar. Es hat mich noch ein bisschen mehr zu  meinen momentanen Gesprächen wach gerüttelt. Vielleicht tun es meine Zeilen für andere.

Stimmt, ich war viele viele Jahre in dieser Endlosspirale "Essen ist Trost, Gefühl, Entspannung sich was Gutes tun". Wie ich dort rein kam. Gute Frage! Wie kann man sich so klein machen? Oder so dick machen? Tja klein wird man gemacht und irgendwann glaubt man es auch. Dabei macht man sich dick.
Irgendwann denkt man nur noch dran "es liegt am Dick sein. Wenn man schlank ist, ist alles anders. Denkste.

 Auch wenn es nicht so ganz einfach für mich ist es hier nieder zu schreiben, aber sicherlich meine Therapie auch unterstützt. Was mir am wichtigsten dabei ist: es soll anderen Helfen den Schritt zu machen. Macht was nötig ist, es Hilft Euch aus dieser Endlosspirale raus zu kommen. Laßt Euch aber gleich klar sein "dünn werden allein ist nicht der Schlüssel zum Erfolg". Lernt Euch lieben und schätzen. Holt Euch Hilfe die Ihr braucht dazu!
Ich rutsche in diese Spirale als Kind. Ich denk so mit 5 - 6 Jahren ging es los. Klar war mir schon immer es rührt aus meiner Kindheit. Das diese noch weiter in mir schlummert mußte ich erst in Gesprächen lernen. Wenn ich Bilder von mir als 5jähriges Kind seh, war ich schlank. So schlank, man riet mir Karamalz zu geben.

An vieles in dem Alter erinnert man sich nicht. Meist an die Dinge die sich nicht gut angefüllt haben um so besser. Ich fühlte mich ungewollt, ängstlich und alleine. Mir fehlte die Zuneigung. Hat man mit mir gekuschelt? Keine Ahnung! Materiel hat es bei mir an nichts gefehlt, was auch oft betont wurde mit so Sätzen wie "ich hab immer geguckt das Eure Oberteile nicht zu kurz werden und immer gearbeitet damit es Euch gut geht." Darf also keiner glauben ich wurde schlecht behandelt.

Ich habe auch keine Erinnerung daran ob ich im Kiga Freunde hatte. Sah mich immer nur allein in der Wohnung sitzen. Am roten Tischchen mit meinen Kinderheftchen beschäftigt. Meine Mutter wuselt um mich herum.

Den Wechsel in die Schule mußte ich mit den Wechsel in den Heimatort meiner Mutter erleben. Also mit 6 - 7 Jahren Gefühlschaos. Ungewollt von den Mitschülern. Jeder Versuch dort in die Gruppe einzudringen war erfolglos. Es wurde zu zehnt und mehr mit Schneebällen auf mich geworfen und ich entwickelte mich langsam aber sicher endgültig zum Einzelgänger. Noch mehr natürlich mit 8 als ich nicht mehr das Einzelkind war.
Es gab sogenannte "Freundinnen" nur aus der Randgruppe.

Da war ich! Ein Außenseiter, unscheinbar, schüchtern und irgendwann bummelig dazu.
Schüchtern und nur nicht auffallen war das Motto. Bei Sport sich nichts zugetraut und schon gar keinen Gruppensport wie Handball. Da half auch kein Fragen meiner Mutter. Wo andere anfingen sich in Teenie-Clubs zu treffen, war der Teenie-Club ein Zimmer aus der Randgruppe wo man sich traf. Na und wenn man mal ausbrach aus seinem zu engen Schuh und von jemanden bemerkt wurde. In der Pubertät der ersten Jungen sich nähert? "Wow, da gibts doch jemanden der mich sieht und nicht die Tussies"!!
Man wird dabei von Oma beobachtet und von Mutter zurück geholt.
Noch angemerkt vor versammelter Manschaft. Klasse doch, oder?

Wie ich zum Essen kam? Genascht hatten wir schon immer gern. Mein Vater hat sich nach dem Abendessen immer noch sein Dessert in Form von Süßigkeiten, Eis, aber auch Früchte und Nüsse geholt. Wir Kinder saßen gern dabei und unsere Oma (seine Mutter) meinte immer: nim ruhig Dir Süßigkeiten aus dem Schrank. Schoki ist doch was Gutes. Später Mal wußte ich was gemeint war. Zu Kriegszeiten war man dankbar um jede Schoki. Leider zu spät für mich, ich habs gesammelt weil ich süchtig danach war. Die einzige Aufmerksamkeit die ich bekam, gab ich mir selbst in dem ich anfing heimlich im Zimmer zu naschen.
Bei sogenannten Freundinnen die mir eher Frust brachten habe ich auf dem Heimweg Nachschlag eingekauft, ins Zimmer geschlichen, genascht und dann brav ne halbe Stunde später am Essenstisch gesessen um mit zu essen. Rein geht nichts mehr, aber merken darfs keiner. Das war mein Alltag. Drin war ich in der Spirale und wurde langsam bummelig, dick und noch mehr in mich gekehrt.

 Noch mehr als ich immer älter wurde. Immer mehr Anforderungen in Schule, Zuhause ans Leben bekam.
Anfangs meiner Gespräche hatte man mir mal gesagt ich wäre zu schnell groß geworden. Was war gemeint?
Hm, heute kann ich sagen ja stimmt. Ich hab irgendwann angefangen selbst zu entscheiden was ich tu und was nicht. Ohne mehr groß zu fragen. Ich war ja die Große und mußte was können. Ich wurde selbstbewußt???? Ne, denkste? Wollt nur keinen mehr belasteten, fragen müssen oder mich nähern. War eh egal was ich mache. Am Ende was bekam ich? Kritik und klein wurde ich gemacht. Ob gewollt oder nicht!

Wenn ich dachte ich will keinen mehr zur Last fallen. Helfen im Haushalt!
Statt Lob über z. B. freiwiliges Staubwischen, oder Böden wischen erhielt ich ein "hätte ich doch selbst gemacht, das kannst Du doch nicht so gut".

Bei der verzweifelnden Jobsuche. Als ich vor lauter Verzweiflung sogar im Friseurladen Praktikum machte, wurde ich ausgelacht. Viel hatte ich mir ja schon selbst nicht zugetraut, aber da war der letzte Funke Hoffnung einen Job zu bekommen auch noch von der Mutter ausgelöscht worden.
Ich könnt noch ewige Situationen beschreiben. Später im Job, 1. Beziehung, Abwenden der sogenanten Freundinnen, 1. Trennung, Auszug aus dem Elternhaus. Alles irgendwie irgendwo immer schief gelaufen und mit Essen betäubt. Freundinnen waren lang keine da. Ich ließ aber vor lauter Enttäuschungen auch kaum jemanden an mich ran.

Von 65 kg stieg mein Gewicht und Schwankte. Manches wie die Trennung hat mich wieder schlanker werden lassen. Neu Liebe, zusammen ziehen, die Glücksgefühle liesen manches Wunder zu. Von rauf gefutterten 94 kg viel ich auf wunderbare 72, aber vieles holte mich auch wieder ein. Irgendwann kam es sogar zu Depressionen, viel Alk, Selbstmordgedanken, Verlustängste, Selbstzerstörung, Unverständnis der Mitmenschen usw. 1. Therpie schlug fehl, trotzdem rappelte ich mich wieder auf. Machte weiter. Die Spirale drehte sich.

Mit 72 kg wurde mir damals gesagt es ist zu schnell, machen sie mal stopp und versuchen zu halten. Totale Überforderung. Heute weiß ich warum. Nicht weil ich nicht wußte wie ich es halten sollte sondern weil ich nicht wußte was ich mit dem zu großen Schuh anfangen sollte. Ich wußte nihct wie ich damit umgehen sollte.
Ich konnte die 72 kg nicht leben. Genau in dieser Situation war ich ich letzten Tage. Schrecklich!!
Man denkt schlank wird alles einfacher. Man wird beliebt wie "diese Tussis" begehrt, beachtet, geliebt und behandelt wie jeder ander Mensch. Die sind ja schlank und ich nun auch. Denkste!

Tja und damals kams wie es kommen mußte. Mal mit mehr oder weniger Erfolg über die Jahre bin ich am Ende aber doch wieder hoch geschraubt auf 94 kg. Zwischendrin Schicksalsschläge in der Familie. Mein Traum vom Kind. Schwere Schwangerschaft. Der Alltag, die Anforderungen denen ich nicht gewachsen war haben mich wieder eingeholt.

Was hat mich raus geholt aus der Spirale? Heute kann ich sagen: "zum Glück".
Ein Schlag im Genick gab mir eine Situation in meiner Familie. Diese hatte mich in schwere Depressionen gebracht. Ein Jahr des Kampfs ums durchhalten. Heute, mit 1,5 Jahren laufender Therapie, kann ich sagen es hat sich gelohnt. Ich weiß aber auch, ohne meine Tochter wäre es so weit nicht gekommen. Vielleicht wäre ich heute schon nicht mehr da. Ohne Sie hätte ich diesen Schritt nie getan.

Meine Maus, danke das es Dich gibt!!

Ich muß mich selbst kennen lernen. Lernen mich zu lieben, zu schätzen und umsorgen wie ich es auch für mein Kind tun würde. In mir ist viel zu viel von dem Kind und dem Teenie noch da, denen ich Freiraum zum Leben geben muß und vor allem viel Liebe und Aufmerksamkeit.

Mitten in diesen Gesprächen habe ich auch angefangen zu lernen meinen Körper gutes zutun in dem ich ihn nicht mehr mit Essen zu stopfe. Eine große Hilfe war mir dabei LCHF. Ohne den Entzug der KH wäre ich noch lange nicht da wo ich heute bin.
Inzwischen bin ich raus aus der Spirale und drin im Labyrinth. Am Ende bin ich noch lang nicht. Oft finde ich mich vielleicht auch wieder am Rand, aber nie mehr dort wo ich am Anfang rein gegangen bin. Das Ziel ist nah, auch wenn der Weg manchmal sehr bergig und steinig ist.

Vielleicht gibt es Euch den Mut auch von den Anfängen Eurer Spirale zu schreiben, oder auch den Mut aufzubringen Euch aus dieser Spirale zu befreien. Ich kann nur sagen: traut es Euch zu, es lohnt sich. Unterstützung kommt im Teil 2 ;-)

3 Kommentare:

  1. Wow, vielen Dank für Deine Offenheit. Das ist irgendwie einerseits unfassbar, aber andererseits so nachvollziehbar was mit Dir passiert ist. *Taschentuchrauszieh*
    ABER Du hast Deinen Weg gefunden, erste Schritte unternommen, den ersten langen Lauf hingelegt. Nun wirst Du auch den Marathon erfolgreich hinter Dich bringen.
    Ich wünsche Dir von ganzem Herzen viel Erfolg bei Deinem Weg zu Dir und in ein schlankers Leben.
    PS: Hat mich sehr berührt, was Du geschrieben hast

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  2. Ja, ich find es jetzt inzwischen erschreckend was ein Kind erleben kann. Denk aber auch Eltern sind oft überfordert oder mit eigenen Sachen belastet. Dadurch erschreckt es mich wohl im Moment doppelt. Zum Glück jetzt aber auf dem richtigen Weg, Du sagst es und ich Danke Dir für Deine Zeilen und Mitgefühl.

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  3. Puh.. Mausi.... Dein Roman ging mir ganz schön unter die Haut.
    Ich finds so mutig und toll, wie du dich geöffnet hast.
    Sicher wars nicht einfach, aber etwas Luft im Bauch ist doch sicher dadurch auch, oder?

    Ich bin mir auch sicher, dass du den Marathon schaffst und dann mit einem Lächeln auf diese Zeit jetzt zurückblicken kannst.
    Versuche bei Lea einiges anders zu machen, sei für sie da, biete viel Ruhe und Verständnis an, dann wird sie dich bestärken und später einmal sehr stolz auf dich sein...

    Ich bin auf den 2. Teil gespannt..

    Alles Liebe
    Stephie

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